Apokalyptisches Delhi

Schon die Ankunft in Delhi stand unter schlechten Vorzeichen: Die unglaubliche Luftverschmutzung hatte sogar die deutschen Nachrichten erreicht (zum Vergleich: In Stuttgart lag die Feinstaubbelastung im November 2017 bei maximal 57 microgramm/m³ Luft, in Delhi lag sie bei über 900 !). Außerdem hatte ich Halsschmerzen und Fieber, meine Nase lief wie ein offen gelassener Wasserhahn. Für die 11 km vom supermodernen Flughafen in die Innenstadt brauchten wir mit dem Taxi mehr als eine Stunde, natürlich begleitet vom unvermeidlichen und ohenbetäubenden Dauerhupen. Auch hier wieder: Der Platz im Straßenraum muss von jedem Teilnehmer hart erkämpft werden, was dazu führt, dass keiner dem anderen Vorfahrt gewährt und das Knäuel an Fahrzeugen noch undurchdringlicher wird.

Alles nachfolgende ist natürlich sehr subjektiv und gibt nur den winzigen Ausschnitt wider, den ich in Delhi erlebt habe. 

Ich habe leider von Delhi kaum Bilder, da mich entweder die Szenen zu sehr berührt haben oder ich zu sehr mit dem Straßenkampf beschäftigt war. Das Bild oben spiegelt nur ansatzweise das wirkliche Chaos wider. Unser Hotel lag an einer großen Vekehrsstraße, zu Stoßzeiten musste ich allen Mut zusammennehmen, einen passenden Moment abwarten und und wie ein Hase auf der Flucht vor dem Fuchs losrennen.

Die nächste Metro Station war die Delhi Ralway Station und der Weg dahin war alles andere als ein entspannter Spaziergang.  Und nein, die Bilder haben keinen Gelbstich wegen felhlendem Weißabgleich, sondern die Stadt war in dieses fahle Licht getaucht. Übrigens: an dem Tag herrschte über der Smogschicht strahlender Sonnenschein.

Um zum Eingang der Metro zu gelanden, musste man die Eisenbahngleise über eine Brücke überqueren. Dort saß mitten auf dem Gehweg diese Frau:

Sie hat Kuhfladen zu runden flachen Scheiben geformt und sie in der diesigen Sonne zum Trocknen hingelegt, um sie danach zu verkaufen bzw. selber als Brennmaterial zu verwenden. Übrigens auch einer der vielen Ursachen für die Luftverschmutzung. Im Hintergrund erkennt man schon, wieviele Menschen mit purer Muskelkraft schwere Lasten auf die Märkte transportieren mussten.

In der Metro ging  der Überlebenskampf  (nein ich übertreibe nicht, ich habe es so empfunden) gerade weiter. Die Züge waren übervoll, immer mit mehr als 80% Männeranteil. Die an der Tür stehenden Personen geben den Weg nach draußen für die Aussteigenden nicht frei und natürlich drängen gleichzeitig neue Menschen in den Waggon. Ohne massiven Einsatz von Ellbogen war man verloren. Ich habe recht schnell kapituliert und habe immer das Frauenabteil benutzt. Das war leerer und alleine schon dadurch entspannter. 

Was gibt es sonst noch zu sagen? Wie schon gesagt, viele Sehenswürdigkeiten haben wir wegen Smog und Krankheit nicht gesehen, aber wir haben Delhis Kathputli Colony besucht. Dazu im nächsten Blogeintrag mehr.

Würde ich Delhi als Reiseziel empfehlen? Hmmm – als Erfahrung durchaus interessant, aber man darf nicht erwarten, sich entspannen zu können. Zudem sollte man die Stadt nicht im November – zur Zeit der größten Luftverschmutzung – besuchen und definitiv nicht als Frau alleine.  

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